Frühblüher und ihre ökologische Bedeutung in Gärten und Parkanlagen
Text und Fotos: B. Bornmann-Lemm
Alle Fotos entstanden im Frühjahr 2026 im NABU-Ruhrgebietsgarten
Bereits im Herbst 2024 wurden im NABU-Ruhrgebietsgarten einige Frühblüher zusätzlich zu den vorhandenen Tulpen und Hyazinthen gepflanzt. Und im Oktober 2025 kamen während des Workshops „Den naturnahen Garten winterfest machen“ weitere frühblühenden Zwiebel- und Knollenpflanzen hinzu. Daniela und Birgit hatten diese Arbeit organisiert und begleitet. Gesetzt wurden u.a. Lerchensporn, Elfenkrokusse, Goldkrokusse, Kugellauch, Dichternarzissen, die Wildform der Trompetennarzisse, Blausterne, Dolden-Milchstern, diverse Traubenhyazinthen-Arten, Schneeglöckchen, Weinbergs-Tulpe und Winterlinge. Viele der o.g. Arten sind Sensibelchen. Es blieb also abzuwarten, was sich letzthin alles etablieren würde. Ab Ende Januar / Anfang Februar 2026 ließen sich bereits die ersten Spitzen der Frühblüher in den Beeten sehen.
Der Winter 2025/2026 hatte von Januar bis in den März viele Nächte mit Bodenfrost. Ideale Voraussetzungen für die hier indigenen Frühblüher. Sie benötigen diesen Kältereiz, um gut austreiben zu können. Hintereinander und zur Freude der Hummeln und ersten Wildbienen-Arten erschienen die Schneeglöckchen, die Krokusse, die Winterlinge. Als nächster Schub kam das Lungenkraut und die Schlüsselblumen, dann die Traubenhyazinthen, die verschiedenen Tulpenarten, die Narzissen und nun Ende April 2026 die Milchsterne, die Vergissmeinnicht und ganz wichtig, die Obstblüte der Apfelbäume und Erdbeeren. Der Lerchensporn hatte nur eine kurze Blüte, leider waren die Schnecken auch hungrig. Mit neu aufgestellten Wildbienen-Nisthilfen beginnen sich Dank Nahrung in Form der Frühblüher, Nistplatz und Baumaterial (feuchte Gartenerde) sowohl die Gehörnten, als auch die Rostroten Mauerbienen im Ruhrgebietsgarten anzusiedeln. Auch die Frühlings-Pelzbienen fliegen wieder an Lungenkraut und Schüsselblumen, ihren bevorzugten Nahrungsblüten. Und die Fuchsrote Lockensandbiene hat fleißig die Stachelbeeren bestäubt und sich einen Nistplatz im Insektenhügel gegraben.
In Mittel- und Nordeuropa hat das Jahr seit der letzten Eiszeit im Prinzip zwei Kategorien. Die warme Frühlings- und Sommerzeit bis in den Herbst hinein. Und die kalte Jahreszeit, die mit gefrorenen Böden und Schneefall einhergeht. Flora und Fauna, also Pflanzen und wildlebende Tiere hatten somit Jahrtausende Zeit, sich mit diesen Wetterbedingungen auseinanderzusetzten und einen entsprechenden Lebensrhythmus zu entwickeln.
Die meisten einheimischen Laubbäume und Sträucher verlieren im Herbst ihr Laub und der Saftfluss im Stamm stoppt. Somit bieten sie den Herbst- und Winterstürmen kaum Angriffsfläche. Und die kranken, toten Äste werden von den Stürmen gebrochen und fallen ab. Also im Prinzip ein Winterputz, um Krankheiten und Ärgernisse abzuwerfen. Das liegengebliebene Laub auf ihrer Baumscheibe dient jeder Menge Insekten und Kleintieren als warmes Winterversteck und die Mikroorganismen sind in der Lage, zumindest bei Temperaturen über Null Grad, das Laub wieder zu recyceln und dem Baum als Nährstoffe zur Verfügung zu stellen.
In diesem Gehölzbereich an Waldrändern, unter Sträuchern und Hecken siedeln sich gern frühblühende Pflanzen an. Schneeglöckchen und Buschwindröschen gehören dazu. Ihr aktiver Lebensrhythmus ist sehr kurz. Von Februar bis in den April/Mai treiben sie aus, blühen und setzen Samenstände an. Danach beschattet das frisch austreibende Laub der Bäume die Flächen und die Pflanzen ziehen sich wieder unter die Erde zurück, um den für sie zu warmen Sommer und die eisige Winterzeit zu verschlafen.
Wenn die warmen Temperaturen im Frühjahr beginnen, entwickeln auch viele Laubbäume zuerst ihre Blüten und Samenstände. Viele von ihnen, wie die Weiden, Birken und Haseln sind windbestäubt und ihre pollentragenden männlichen Samenstände sind im zeitigen Frühjahr nicht zu übersehen.
Allergiker kennen es. Viele Insekten- und Spinnentiere überwintern im Larven- oder Puppenstadium. Sie haben keinen Bedarf an Frühblühern.
Aber es gibt durchaus auch als Imago / adultes Tier überwinternde Fluginsektenarten.
Dazu gehören die Honigbienen, die Hummeln, einige der etwas gepolsterteren Wildbienenarten wie die Mauerbienen und Pelzbienen und sechs unserer hier heimischen Tagfalterarten. Sie erwachen je nach Tageslänge und Temperatur auch im zeitigen Frühjahr. Bei Temperaturen über 9-10 Grad sieht man ab Anfang März die ersten von ihnen fliegen.
Sie sind zwingend abhängig von diesen frühblühenden Stauden und Laubbäumen. Für ihren eigenen Flugbetrieb benötigen sie selbst den Nektar der Blüten. Um zeitig aber auch mit dem Nachwuchs beginnen zu können, benötigen sie große Mengen an Pollen, um ihre frisch gelegten Larven ernähren zu können. Hier kommen dann die vorab genannten Laubbäume ins Spiel.
Die Winter-Honigbienen beginnen bald mit den ersten Sammelflügen, um die aufgebrauchten Honigvorräte zu erneuern, damit dann die Königin wieder mit der Ei-Ablage für die Sommerbienen-Generationen beginnen kann. Die zeitigen Wiesenhummeln, Erdhummeln und kurz darauf die Ackerhummeln beginnen ebenfalls damit, ihre Nester für ein neues Sommervolk anzulegen und die Brut mit Pollen zu füttern.
In den Gärten und Parkanlagen wurden in den letzten Jahrhunderten vermehrt auch Krokusse, Blausterne, Traubenhyazinthen, Lungenkraut, Primeln und andere Frühblüher etabliert. An diese Arten haben sich insbesondere die sehr frühen Gehörnten Mauerbienen gewöhnt. Und so beginnen auch sie ihren Flug bereits je nach Wetterlage im März. Die Roten Mauerbienen aber warten, bis die Obstbaumblüte, insbesondere die Birnen- und Apfelbaumblüte beginnt. Sie fliegen somit erst ab Ende April bis in den Mai. Dieses interessante Netzwerk zwischen Pflanzen und Tieren hat sich in vielen Jahrhunderten langsam zum beiderseitigen Nutzen entwickelt.