Große und kleine Biotopstrukturen im naturnahen Garten
Große und kleine Biotopstrukturen im naturnahen Garten
Text und Fotos: B. Bornmann-Lemm, April 2026
Jedes Lebewesen, ganz gleich ob Mensch, Tier oder Pflanze, hat ganz besondere Wünsche an seinen Lebensraum/sein Lebensumfeld. Auf den Punkt gebracht sind dies: Nahrung, Wasser, Wohnung und andere Lebewesen.
Wenn wir nun auf unseren Balkonen oder in unseren Gärten verschiedene Biotopstrukturen anbieten, können wir damit ein sich selbst erhaltendes und ineinandergreifendes Netzwerk von und für Lebewesen diverser Arten anregen. Schon ein Gemüsebeet in Mischkultur mit eigenem Kompost als Humusgeber bietet dem großen Bodennetzwerk mit seinen Regenwürmern, Tausendfüßern, Asseln und Co. einen Lebensraum. Und dieses Netzwerk fördert gleichzeitig das Pflanzenwachstum unserer Lieblingsgemüsesorten. Staudenbeete mit zum größten Teil hier heimischen und standortgerecht gepflanzten Blütenpflanzen fördert die Insektenwelt, die zum Teil in ihrem adulten Leben Nektar und Pollen der Blüten benötigt, aber vorab als Raupen auch gern mal an den verschiedenen Pflanzen knabbert. Bieten wie dann auch noch Halbgehölze oder heimische Sträucher an, kommen auch kleinere Singvögel wie das (Garten-)Rotkehlchen, Heckenbraunellen, Zaunkönige, Meisen und viele andere, um hier die Raupen zur Fütterung ihres Nachwuchses zu sammeln.
Um dieses Garten-Netzwerk zu fördern bedarf es allerdings auch unterschiedlicher Rückzugsorte und Nistquartiere sowie Unterschlüpfe für den Winter.
Im NABU-Ruhrgebietsgarten sind wir dabei, hierfür diverse naturnahe Biotopstrukturen anzulegen und zu beobachten, ob und von wem sie angenommen werden.
Dazu gehören:
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Laubholz in Alt- und Totholzvarianten
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Käferkeller
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Trockenmauern
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Wilde ungestörte Ecken
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Kleine und große Gartenteiche
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Nistquartiere für Wildbienen und andere Hautflügler
Laubholz in Alt- und Totholzvarianten
Laubholz in jedweder Art, also groß wie ein Baum oder klein wie ein junger Strauch, lebend oder absterbend ist ein wichtiger Strukturgeber und Lebensraum im Garten. Mit lebenden Gehölzen lassen sich Licht- und Schattenplätze schaffen, sie fungieren als Windschutz für Gemüsebeete und als Sauerstoffgeber.
Abgestorbene Äste, Schnittgut im Herbst und Winter sind Nahrungsquellen und Rückzugsorte für viele Larven und Käferarten. Der Verrottungsprozess beginnt sehr langsam und in jeder dieser Rottungsphasen bietet stehendes und liegendes Totholz einen lebendigen Ort für viele Tierarten. Tote Äste mit Käferfraßgängen werden von Wildbienen als Nistplätze genutzt. Umgedrehte Wurzelballen, gestapelte oder gebündelte Reiserhaufen bieten Platz für Käfer, Raupen, Moose und Co. Und dabei können diese Hölzer auch ästhetisch als Windschutz (Benjeshecken) oder Beeteinfassungen fungieren. Altholzbestände in allen Alterungsphasen bietet Rückzugsorte und Nistplätze für Kleinvögel und Wildbienenarten.
Viele Käfer lieben Holz
Mehr als 1.400 hiesige Käferarten und ihre Larven benötigen Holz in unterschiedlichen Variationen. Sie finden hier ihre ökologischen Nischen. Unterstützen kann man sie zum Beispiel mit Käferkellern (20 - 40 cm Tiefe) unter alten Wurzelballen und Schnittgut von Baumschnitt. Also in sogenannten Wurzelgärten. Oder auch mit Käferpyramiden aus Ästen und kleinem Reisig.
Trockenmauern
Für Trockenmauern werden möglichst Natursteine oder auch alte Lehmziegel ohne Mörtel zum Verkleben gestapelt. Wichtig hierbei ist es, eine leichte Neigung nach hinten zu einem Erdhügel zu schaffen und dabei die Steine einzeln auszusuchen und solange hin- und her zu bewegen, bis sie sich fest ins Gefüge etabliert haben. Damit wird die Standfestigkeit der Trockensteinmauer gewährleistet.
Zielsetzung ist es bei dieser Bauart, den Insekten und Spinnentieren Versteckmöglichkeiten, Nistplätze und Winterquartiere zu bieten. Trockenheitsliebende Pflanzen wachsen hier gerne.
Wilde ungestörte Ecken
So „wild“ müssen diese Ecken ja gar nicht aussehen. Wichtig ist jedoch, an diesen Standorten nach Möglichkeit nur sehr selten gartenpflegende Arbeiten durchzuführen, um die dort lebenden Insekten und Spinnentiere nicht zu stören. Im NABU-Ruhrgebietsgarten haben wir hierfür einen vorhandenen Erdhügel als „Insektenhügel“ um einer Lehmziegel-Trockenmauer und einem kleinen Mörtelkübelteich sowie standortgerechten Wildstauden ergänzt. Ebenfalls haben wir eine Benjeshecken-Variation und eine davorliegende Wildecke geschaffen. An beiden Standorten werden nur zwei- bis dreimal pro Jahr notwendige Pflegearbeiten durchgeführt, um diese Biotopstrukturen zu erhalten.
Kleine und große Gartenteiche
Zielsetzung kleiner und großer Gartenteiche ist es immer, in der direkten Teichumgebung ein etwas feuchteres Kleinklima für die umliegenden Pflanzungen zu schaffen. Gleichzeitig bieten sie mit ihren Bepflanzungen wichtige Lebensräume für wasserabhängige Lebewesen wie Libellen, Teichläufer, Amphibien und viele andere. Miniteiche lassen sich durchaus mithilfe von Bauschutteimern oder Mörtelkübeln anlegen. Ihre nach oben offene Form und die Bepflanzungen verhindern, dass sie im Winter vom Eis gebrochen werden. Wichtig ist, Ausstiegshilfen in Form von inneren kleinen Steintreppen und / oder dicken Ästen zu schaffen.
Nistquartiere für Wildbienen und andere Hautflügler
Im NABU-Ruhrgebietsgarten bieten wir sowohl künstliche als auch natürliche Nistquartiere für Wildbienen und andere Hautflüglerarten wie solitäre Grabwespen und Mauerlehmwespen an. Wir beobachten hierbei auch, welche Standort bevorzugt werden. Es sind sowohl ober- als auch unterirdische Niströhren bzw. Nistplätze.
Grundsätzlich gilt jedoch immer:
Ein Garten ist ein Garten, egal ob er nur aus Rasen, Thujas und ein paar Lorbeerkirschen besteht oder naturnah gestaltet ist. Diese Flächen Land bedürfen grundsätzlich einer pflegenden Hand der Gärtnerinnen und Gärtner. Ansonsten würden sich diese Areale sukzessionsbedingt im Laufe der Jahre verändern. Die Stauden- und Gemüsebeete würden erst von starkwachsenden Pflanzen und später von Bäumen überwuchert, die Biotopstrukturen würden langsam verschwinden und der Garten könnte seiner ursprünglichen Bestimmung als Nahrungslieferant und Lebensraum für Gärtner*innen, Insekten, Amphibien, Reptilien, Igeln, Fledermäusen, Vögeln und Co. nicht mehr gerecht werden.