Info-Reihe "Ökosystem Garten"

Teil 5. Stadtnatur

 

Unter der Sparte „Ökosystem Garten“ möchte ich in den kommenden Monaten und Jahren vielen Fragen in Bezug auf städtische Gärten und Parks als Orte der Artenvielfalt und Biodiversität peu à peu nachgehen.

 

Wer Interesse hat, mich auf diesen Wegen und Gedanken zu begleiten, kann sich gerne unter naturgarten@nabu-dortmund.de bei mir melden. Ausgangspunkt wird erst einmal die Dortmund-Aplerbecker Umgebung sein.


Ökosystem Garten – 5. Stadtnatur

 

Stadtgrün – Städtisches Grün – Grünflächen in der Stadt – Stadtnatur
Das sind diverse Bezeichnungen für die Bäume, Sträucher, Hecken, Rasenflächen, Gärten und Parks die sich in einer (Groß-)Stadt finden lassen. Ein Teil davon gehört der Allgemeinheit der Einwohner als sogenannte Städtische Grünflächen. Sie unterstehen in der Verwaltung und Pflege den jeweiligen „Umwelt- oder Grünflächen-Ämtern“ der einzelnen Städte. Der andere Teil dieser Flächen ist Privateigentum und wird entweder von den jeweiligen Eigentümern der Ein- und Mehrfamilienhäuser oder von Wohnungsgesellschaften bepflanzt und gepflegt. Die Städte bestehen somit aus einem großen Mosaik diverser Grünanlagen mit unterschiedlichen Bepflanzungen.

 

Wie lassen sich nun die verschiedenen Grünflächentypen einer Stadt klassifizieren?

Klassifikation ist eine systematische Einteilung von Begriffen oder Gegenständen, um durch Feststellung gemeinsamer charakteristischer Eigenschaften einen gemeinsamen Nenner zu finden wenn Menschen miteinander darüber reden. Und so hat sich in den letzten Jahren auch eine Klassifikation der verschiedenen Arten von Stadtnatur entwickelt.

 

1. Relikte ursprünglicher Natur

2. Relikte der Kulturlandschaft

3. Gärtnerisch angelegte und gepflegte Grünflächen

4. Spontane Naturentwicklung auf tiefgreifend veränderten Flächen

 

„Relikte ursprünglicher Natur“ wären zum Beispiel Felsen mit ursprünglicher Vegetation. Sie sind innerhalb von Stadtgrenzen nur noch selten zu finden. Hier in Dortmund könnte man die Ruhrsteilhänge an der Hohensyburg dieser Klassifikation ggf. noch zuordnen.

 

„Relikte der Kulturlandschaft“ bezeichnet Flächen, die in den Jahrhunderten durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung entstanden sind und weiterhin in alter Tradition gepflegt werden. Zumeist bleiben sie nur dort erhalten, wo eine andere Nutzung wie zum Beispiel Bebauung schwierig ist. Alte Weinberge an steilen Hängen, die nicht mit Maschinen gepflegt und beerntet werden können, würden z.B. dazugehören.

 

„Gärtnerisch angelegte und gepflegte Grünflächen“ umfasst alle Arten von Grün, dass durch Menschen angelegt und gepflegt wird. Es beinhaltet somit den artenarmen Fußballrasen, Wiesenflächen und Sträucher in Siedlungen, Vorgärten, Kleingärten, Hausgärten, Gemeinschaftsgärten, Schulgärten, kleine Parkanlagen oder auch artenreiche Stadtparks mit hohem Baumbestand.

Hier in Dortmund wären somit zum einen der Rollrasen im Signal-Iduna-Park, Golfanlagen, aber auch die vielen Kleingartenanlagen, der Westfalenpark, der Westpark, der Fredenbaum-Park, der Rombergpark, der Ostfriedhof, der Hauptfriedhof, Straßenbäume, Straßenbegleitgrün, Hausgärten und vieles mehr dieser Kategorie zuzuordnen.

 

„Spontane Naturentwicklung auf tiefgreifend veränderten Flächen“ umfasst die pflanzlichen Pioniergesellschaften die sich auf gestörten Standorten entwickeln können. Gestörte Standorte bezeichnet Flächen die überformt wurden, d.h. auf denen gebaut worden ist und deren Nutzung aus unterschiedlichen Gründen später wieder aufgegeben wird. Die Bauten werden somit dem Verfall preisgegeben und werden zu Haus- oder Industrieruinen, stillgelegten Bahntrassen oder ungenutzten Straßen die von der Vegetation wieder erobert werden. Es beginnt zuerst mit kleinen Pflanzen wie Moos, Gräsern, Gänseblümchen, Löwenzahn und Co. Später entwickeln sich dann standortspezifische Hochstaudenfluren feuchter oder trockener Böden. Danach kommen Haseln und Birken als Vorwaldstadium. Damit wird also die urban-industrielle Natur der Stadtbrachen beschrieben. Dies ist ein neuer Naturtyp, der sich in den letzten Jahrzehnten erst zu entwickeln beginnt. Gerade die Industrienaturstandorte sind extrem vielfältig, da es an den unterschiedlichen Standorten bedingt durch die unterschiedliche Nutzung ja vielerlei neue Bodentypen gibt. Bergehalden der Zechen und stillgelegte Bahngleise beispielsweise basieren auf unterschiedlichen Gesteinen und somit siedeln sich dort auch unterschiedliche Pflanzenarten an. Diese neue Wildnis der Stadtnatur ist gekennzeichnet durch neue Artenzusammensetzungen der Pflanzen.

Diesen Pflanzengesellschaften folgen dann auch unterschiedliche Insektenarten und Spinnentiere. Ihnen wiederum folgen die Vögel und Säugetiere und plötzlich sind es ganz neue und in ihrer Vielfalt nicht zu unterschätzende Ruderalflächen und Lebensraumtypen die dort entstehe können.

 

Fotoliste:

1. Wiesenfläche in Dortmund-Scharnhorst

2. Straßenbäume und Straßenbegleitgrün Dortmund-Scharnhorst

3. Kommunaler Friedhof Aplerbeck Mitte

4. Westfalenpark

5. Rosengarten Dortmund-Aplerbeck mit Blick auf Schloss Rodenberg

6. Ruderalbotanik Eisenbahngleisen

 

Text und Fotos: Brigitte Bornmann-Lemm
Stand: Juli 2023