Info-Reihe "Ökosystem Garten"

Teil 7. Stadtnatur – Schmetterlinge in NRW

 

Unter der Sparte „Ökosystem Garten“ möchte ich in den kommenden Monaten und Jahren vielen Fragen in Bezug auf städtische Gärten und Parks als Orte der Artenvielfalt und Biodiversität peu à peu nachgehen.

 

Wer Interesse hat, mich auf diesen Wegen und Gedanken zu begleiten, kann sich gerne unter naturgarten@nabu-dortmund.de bei mir melden. Ausgangspunkt wird erst einmal die Dortmund-Aplerbecker Umgebung sein.


Ökosystem Garten – 7. Stadtnatur – Schmetterlinge in NRW

 

Die bunten Schmetterlinge wie Schwalbenschwanz, Großes Ochsenauge, Tagpfauenauge, Zitronenfalter, Distelfalter, Bläulinge, Schornsteinfeger und co. gehören sicherlich neben den grazilen Libellen zu den beliebtesten und bekanntesten Insektenarten. In den letzten Jahren / Jahrzehnten stellt sich immer wieder die Frage: Wo sind sie geblieben?

Seit nunmehr acht Jahren führt der NABU-NRW das Citizen Sciene Projekt „Zeit der Schmetterlinge“ bzw. jetzt „Mehr Platz für Falter“ durch. Ziel ist es, mit Hilfe der Bevölkerung zu ermitteln welche und wie viele Tagfalterarten in den vier Sommerwochen (Fixtermin jährlich 15. Juni bis 15. Juli) in den Siedlungsbereichen von NRW zu beobachten sind.

 

Der Sommer ist die Zeit der Schmetterlinge schlechthin. Gemeint ist hier allerdings, dass es der Zeitraum ist, in der fast alle Falterarten ihr Erwachsenenstadium erreicht haben und somit fliegend in Gärten und Parks zu sehen sind. Den größten Teil ihres Lebens verbringen Schmetterlinge allerdings, wie alle anderen Insektenarten auch im Larvenstadium. Die Schmetterlingsraupen sind eher immobil. Wichtig ist es, dass die Weibchen bei der Eiablage die entsprechenden Raupenfutterpflanzen finden und die Eier dort ablegen können. Innerhalb kürzester Zeit entwickelt sich dann die Raupe, wie es vielen Menschen sicherlich noch aus dem Kinderbuch „Die kleine Raupe Nimmersatt“ bekannt ist. Nach vielen Monaten des Raupenstadiums verpuppen sie sich dann in einen Kokon und nach einer Ruhezeit in der eine starke Strukturumwandlung des Körpers stattfindet schlüpft dann der fertige Schmetterling und entfaltet seine Flügel.

 

Eine der vielen Ursachen für das Verschwinden der Schmetterlinge und anderer Insekten ist mit Sicherheit in der Veränderung der Landschaftsstruktur zu suchen. Kleinflächige, strukturreiche Lebensräume verschwinden immer mehr aus der offenen Landschaft. Und in den Dörfern und Städten haben sich die Gärten ebenfalls stark verändert. Die vielfältigen Nutz- und Obstgärten mit abwechslungsreichen Pflanzenarten, umgebende Hecken und natürlicher Bodendüngung sind gewichen. Und mit ihnen die Vielzahl der Raupenfutterpflanzen. Aktuelle Gärten sind wesentlich kleiner und die Fläche ist häufig nur mit Rasen, Rosen und ggf. Koniferen oder Rhododendren bepflanzt.

 

Die o.g. Schmetterlingszählungen der letzten acht Jahre weisen trotz reger Bevölkerungsbeteiligung erschreckend nach unten. Der Zählbogen umfasst 12 Tagfalterarten und seit 2021 auch 6 tagaktive Nachtfalterarten. Die Gesamtzahlen 2017 waren 32.000, 2018 waren es 39.000 und dann wurden es merklich weniger Individuen. 2020 waren es nur 18.000, 2022 war besser mit 29.000, aber aktuell sind es in 2023 nur 17.000 gemeldete Falter gewesen. Spitzenreiter in jedem Jahr waren die Weißlingsarten, die als Sammelart gezählt werden. Die übrigen Arten variieren von Jahr zu Jahr.

Die Rangliste der 2023 gemeldeten Falter in NRW:

 

Tagfalter

Nachtfalter

1. Weißlinge (Sammelart)

1. Gammaeule

2. Admiral

2. Taubenschwänzchen

3. Zitronenfalter

3. Weißer Schwarzaderspanner

4. Großes Ochsenauge

4. Ockergelber Blattspanner

5. Kleiner Fuchs

5. Sechsfleck-Widderchen

6. Tagpfauenauge

6. Ampferspanner

7. Dickkopffalter (Sammelart)

 

8. Bläuling (Sammelart)

 

9. Schornsteinfeger

 

10. C-Falter

 

11. Landkärtchen

 

12. Distelfalter

 

 

Die schlechten Zahlen dieses Jahres werden sich in den nachfolgenden Jahren vermutlich fortsetzen, da es ja immer weniger erwachsene Schmetterlinge gibt, die Eier und somit Raupen für die folgenden Jahre ablegen können. Dazu kommen noch die äußerlichen Hindernisse wie Klimaveränderungen, strukturarme Landschaften, weniger Pflanzenvielfalt und Pestizideinsatz.

 

Tipps zu schmetterlings- bzw. somit auch insektenfreundlichen Gärten finden Sie auf den Webseiten des NABU / Garten, unter „Mehr Platz für Falter“, Naturgarten.org u.a.

 

Fotoliste:

Alle Fotos sind in einem Dortmund-Aplerbecker Hausgarten von April bis Juli 2023 entstanden. Gepflanzt wird hier eine Mischung aus Zierpflanzen und Wildpflanzen.

  1. C-Falter an Immergrün

  2. Taubenschwänzchen an Natternkopf

  3. Großes Ochsenauge an Wilder Möhre

  4. Weißling bei der Eiablage an Kapuzinerkresse

 

Text und Fotos: Brigitte Bornmann-Lemm
Stand: August 2023