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Projekte und Berichte der Fledermaus AG

Was macht die Fledermaus AG? Ein Interview mit Meike Hötzel

Was sind die Aufgaben der Fledermaus AG? Seit wann gibt es sie?

Die Fledermausgruppe Dortmund (FLEDO) gibt es seit dem Jahr 2005. Wir sind ein lockerer Zusammenschluss von Leuten, die sich für Fledermäuse interessieren und sich für Ihren Schutz in Dortmund engagieren wollen. Bei „Planungstreffen“ diskutieren wir z.B. unsere Ideen zum Fledermausschutz, welche Projekte und Aktivitäten iübernn dem jeweiligen Jahr stattfinden sollen und wer welche Aufgaben immt.

Dazu gehören:

Betreuung von Fledermauskästen: 

Insgesamt hängen in den Dortmunder Wäldern ca. 100 Fledermauskästen, die vor allem vom Großen Abendsegler, aber auch z.B. der Rauhautfledermaus als Quartier genutzt werden. Durch eine Kontrolle der Kästen können wir feststellen, welche Arten sich zu welcher Zeit in welchem Gebiet aufhalten. So erhalten wir Informationen zur Verbreitung der Arten im Stadtgebiet.

Detektorarbeit:

Fledermäuse orten und fangen ihre Beute mit Hilfe von Echoortung. Das heißt, sie geben Ultraschalllaute ab, die in einer bestimmten Weise von der Umgebung reflektiert werden. Dieses Echo nehmen sie wahr, so dass quasi ein „akustisches Bild“ entsteht. So können sie durch Laute „sehen“ und sich auch im Dunkeln orientieren. Durch Fledermausdetektoren werden die Laute hörbar gemacht. Durch diese Methode kann man herausfinden, welche Arten sich in einem Gebiet aufhalten, wo sich Flugstraßen, häufig genutzte Jagdgebiete oder auch Quartiere von Fledermäusen befinden.

Netzfang von Fledermäusen:

Manche Arten können mit dem Detektor nicht eindeutig identifiziert werden. In diesem Fall ist es zur Artbestimmung erforderlich, die Tiere zu fangen. Hierzu verwendet man sehr feinmaschige Netze, die von den Fledermäusen schwer geortet werden können.

Kontrolle von möglichen Winterquartieren:

In der Winterzeit finden Kontrollen von möglichen Winterquartieren statt. So werden zum Beispiel als Quartier geeignet erscheinende Bachunterführungen kontrolliert, allerdings haben wir dort noch keine Fledermäuse gefunden.

Öffentlichkeitsarbeit:

An mehreren Terminen im Jahr werden von uns Führungen veranstaltet, bei denen bekannte Fledermausjagdgründe in den Abendstunden besucht werden (z.B. zur Batnight und zur Museumsnacht). Die Termine sind im Veranstaltungsprogramm des NABU zu finden. Außerdem haben wir eine Broschüre über die in Dortmund vorkommenden Fledermausarten ihre Ökologie, Verbreitung und Gefährdungsfaktoren zusammengestellt.

Wie viele Mitglieder hat sie?

Die Gruppe besteht zur Zeit aus acht Fledermauskundler(inne)n.

Zu welcher Jahreszeit seit ihr aktiv?

Wir haben keine festen Treffzeiten. Zu welcher Jahreszeit wir aktiv sind, hängt davon ab, welche der oben genannten Aktivitäten gerade ansteht. Die Kastenkontrollen finden im Frühjahr und Herbst statt. Zu dieser Zeit befinden sich viele Große Abendsegler und Rauhautfledermäuse im Gebiet, die auf dem Weg von ihren Überwinterungsgebieten in die Fortpflanzungsgebiete (im Frühjahr) bzw. umgekehrt (im Herbst) sind. Detektorbegehungen können von April bis Oktober durchgeführt werden. Etwa von November bis März (je nach Witterung) halten die Fledermäuse Winterschlaf, in dieser Zeit wird nach Winterquartieren gesucht.

Wie viele verschiedene Arten gibt es in Dortmund/Deutschland?

In Dortmund wurden bisher 13 Fledermausarten nachgewiesen: Wasserfledermaus, Teichfledermaus, Kleine Bartfledermaus, Wimpernfledermaus, Fransenfledermaus, Zweifarbfledermaus, Breitflügelfledermaus, Großer Abendsegler, Kleiner Abendsegler, Zwergfledermaus, Rauhautfledermaus, Alpenfledermaus und Braunes Langohr. In Deutschland sind weitere 11 Arten vertreten, die in Dortmund (noch) nicht nachgewiesen wurden. Zu ihnen zählen: die Kleine und die Große Hufeisennase, das Große Mausohr, die Große Bartfledermaus, die Bechsteinfledermaus, die Nymphenfledermaus, die Nordfledermaus, die Mückenfledermaus, die Weißrandfledermaus, das Graue Langohr und die Mopsfledermaus.

Was für eine Ausrüstung habt ihr?

Welche Ausrüstung man braucht, hängt davon ab, was man vorhat. Für die Kastenkontrollen braucht man z.B. eine Leiter, Handschuhe, eine Schieblehre zur Messung der Unterarmlänge, ein Säckchen, um die Fledermäuse zwischenzulagern und eine Waage. Für den Netzfang braucht man außerdem Stangen, Netze und Bänder zum Befestigen. Für die Winterquartierkontrollen werden zum Teil Wathosen oder Gummistiefel benötigt, auf jeden Fall aber warme Klamotten und Lampen. Für die Detektorarbeit braucht man einen Fledermausdetektor und evtl. ein Gerät zur Aufnahme der Rufe. An Detektoren gibt es eine große Auswahl. „Einfache“ Detektoren sind gut geeignet, um die Fledermausaktivität zu messen und Flugstraßen oder Quartiere zu suchen. Eine eindeutige Bestimmung der Art ist mit diesen Detektoren aber nur begrenzt möglich. Will man die Tiere möglichst genau bestimmen, gibt es auch Detektoren, mit denen man die Rufe aufzeichnen und auf ein Aufnahmegerät überspielen kann. Diese Rufe lassen sich per Computer analysieren und die Bestimmung im Feld kann im Nachhinein noch mal geprüft werden.

Was für besondere Erlebnisse hattet ihr bis jetzt?

Ein besonderes Erlebnis ist es schon in der Abenddämmerung die Artisten der Nacht auf ihren Jagdflügen zu beobachten und so einen kleinen Einblick in die sonst unsichtbare Welt der Fledermäuse zu erlangen. Einfach zu beobachten sind Fledermäuse zum Beispiel über den Gewässern im Rombergpark. Hier findet man unter anderem die nahe über dem Wasser jagende Wasserfledermaus, die in größerer Höhe jagenden Abendsegler und die kleine Zwergfledermaus.

Eine Überraschung der besonderen Art ergab sich bei einem Netzfang im Grävingholz. Statt der erwarteten Fledermäuse verfing sich ein Waldkauz im Netz. Die große Eule mal ganz aus der Nähe zu betrachten, war ein beeindruckendes Erlebnis für uns.

Wie kann man die Fledermaus AG unterstützen?

Sehr wichtig für Fledermäuse ist der Schutz ihrer Quartiere. Diese können sich z.B. in oder an Gebäuden oder in Baumhöhlen befinden. Wenn jemand ein Quartier von Fledermäusen an seinem Haus oder in einer Baumhöhle entdeckt, würde uns das sehr interessieren. Wenn Sie also Fledermäuse beobachten, die aus einem Gebäude oder einer Baumhöhle ausfliegen oder aufgrund einer hohen Fledermausaktivität zur Ausflugszeit ein Quartier vermuten, würde uns eine Meldung sehr dabei helfen, möglichst viele Informationen zum Vorkommen von Fledermäusen in Dortmund zu ermitteln. Die Meldungen können Sie an folgende Mailadresse senden:

meike.hoetzel@nabu-dortmund.de

Für den Fall, dass Sie eine verletzte oder verirrte Fledermaus aufgefunden haben, können Sie uns über ein Fledermausnotruftelefon erreichen:

Fledermausnotruf:      0175 2854328

Wichtig ist, dass die Tiere mit Vorsicht behandelt werden. Durch das Anfassen fühlen sie sich bedroht und beißen auch mal zu, daher am Besten immer Handschuhe tragen oder ein Tuch verwenden. Bis Hilfe eintrifft, können Sie die Fledermaus in eine Kiste (z.B. Schuhkarton) mit einem Tuch oder Küchenpapier und einer kleinen Schüssel mit Wasser zum Trinken setzen. Der Deckel der Kiste sollte geschlossen und für das Tier nicht zu öffnen sein.

Die Fledermäuse werden, wenn notwendig, von einem Mitglied der Fledermaus AG abgeholt und entsprechend versorgt. Wenn sie gesund sind, werden sie möglichst nah an der Stelle, an der sie gefunden wurden, wieder ausgesetzt.

Wie kann man Fledermäuse schützen? Was kann jeder einzelne tun?

Wichtig ist, sich gut zu informieren. Es gibt zahlreiche Bücher und Internetseiten über Fledermäuse. So kann man auch andere Leute für diese tollen Tiere begeistern. Wenn man ein Haus und/oder einen Garten hat, kann man Fledermauskästen aufhängen. Im Garten ist ein wenig Unordnung nicht verkehrt. Durch eine naturnahe Gestaltung und die Förderung von Insekten durch z.B. das Pflanzen einheimischer Gewächse, die Anlage eines naturnahen Gartenteiches und viele Wildblumen erhöht sich das Nahrungsangebot für die Fledermäuse. Unbedingt vermieden werden sollte der Einsatz von Insektiziden, Unkrautvernichtern, etc. Informationen zu diesen und anderen Fledermausthemen sind auch auf der Internetseite www.fledermausschutz.de zu finden.

Meike Hötzel
Abendsegler
Große Bartfledermaus