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Wald- Baumkartierung

Waldzustandsbericht 2013

Der Waldzustandsbericht 2013 registriert für die Eichen nach wie vor stärkere Schäden. Im Dortmunder Norden ist davon die Stieleiche, Querkuc rubor, „Taleiche“, im Gegensatz zur Traubeneiche, Q. petraea, „Eiche auf dem Berg“ (MITCHELL u. WILKINSON, 1982), betroffen. Die Stieleiche wächst auf grundwassernahen Standorten im Süden der Münsterschen Bucht, zu der naturräumlich auch der Dortmunder Norden zählt (BLANA, 1985), vor allem in Eichen-Hainbuchenwäldern,Querco-Carpinetum (vgl. RUNGE, 1980), seltener auch in Buchen- und Buchenmischwäldern (Fagetum) an höhergelegenen Stellen; eine Übersicht über Rotbuchenwaldgesellschaften findet sich bei HOFMEISTER, 1983. Der Dortmunder Fredenbaumpark, heute eine Erholungslandschaft innerhalb Dortmunds, lag früher als „Westerholz“ vor den Toren der Stadt und wurde von den Ackerbürgern als Viehweide (Eicheln und Bucheckern!) genutzt (BLANA).

BLANA empfiehlt, die naturnahen Strukturen des Fredenbaums durch Pflegemaßnahmen zu erhalten und zu gestalten. Neuanpflanzungen sollen standortgerecht erfolgen: Auf feuchten Böden Eichen und Hainbuchen, an trockneren Stellen Rotbuchen. Strauchschicht und Waldmantel sollen entwickelt, Wiesenbereiche nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden.

Der von Dortmunder ehrenamtlichen Naturschützern und von H. BLANA erstellte „Bioökologische Grundlagen- und Bewertungskatalog für die Stadt Dortmund“, kurz BLANA-Katalog, ist als bioökologischer „Fachbeitrag des Naturschutzes und der Landschaftspflege zur Landschaftsplanung“ (MUNLV NRW, 2000) anerkannt worden. Seine auf vier Bände verteilten Darstellungen (BLANA 1984-1990) haben damit eine gewisse Verbindlichkeit erworben und können nicht als irrelevant ignoriert werden. Der Katalog ist eine Leitlinie für die drei Landschaftspläne Dortmund-Nord, -Mitte und –Süd, gibt wertvolle Daten für die Naturschutzarbeit, zum Beurteilen von in Natur und Landschaft eingreifenden Planungen, für die standortgerechte Entwicklung und Pflege von Biotopen und für die Optimierung der Artendiversität, einem der vom Rat der Stadt Dortmund deklarierten Ziele. Die Kartierungsdaten müssen regelmäßig aktualisiert werden.

Wie man der Bedrohung der Eichen durch den mit dem Klimawandel verbundenen „Trockenheitsstress“ entgegenwirken kann, wollen die NABU-Naturschutzstation Münsterland, der Waldbauernverband NRW, die Bundes- und NRW-Umweltministerien in einem Pilotprojekt im Süden der Stadt Münster untersuchen. Früher entwässerte man die Wälder vielfach durch Gräben, um die Forstwirtschaft zu fördern; heute plant man, mit Hilfe eines „Waldklimafonds“ die austrocknenden Wälder dosiert zu vernässen, indem man die Entwässerungsgräben drosselt oder verfüllt (vgl. RN vom 08.03.2014). Auf ähnliche Weise hat man bereits sterbende Moore vernässt und wieder belebt. Für diese Technik sollten sich die Dortmunder Forstleute interessieren (oder gar mitmachen?), statt alte Eichen und Buchen zu fällen und allochthone Baumarten wie den Bergahorn (Acer pseudoplatanus) zu pflanzen oder ihre Naturverjüngung zu fördern. Bei der Pflege des Waldes sollen die Umtriebszeiten erhöht werden, „da mit dem Baumalter ganz allgemein die Zahl der ‚ökologischen Nischen‘ für die Fauna wächst, ältere Bäume also  i.d.R. mehr Tierarten Lebensgrundlagen bieten als jüngere Bäume“, (BLAB, 1984). Altholzbestände sind als Niststätten für Klein- und Großvögel, für Nest-, Horst- und Höhlenbrüter sowie für Fledermäuse unersetzbar. Die beiden einzigen Dortmunder baumbrütenden Dohlenkolonien, eine davon im Fredenbaum (GELMROTH in E. KRETZSCHMAR u. R. NEUGEBAUER, 2003), sind jüngst erloschen (R. KRETZSCHMAR, mdl. 2014).

Der Bergahorn ist in Schluchten-, Linden-, Ahorn- und Buchenmischwäldern von der Hügelstufe bis zur subalpinen Zone vor allem an Standorten mit hoher Luftfeuchtigkeit heimisch (HECKER, 1985 und AK Forstliche Landespflege, 1984). Die untere Grenze der natürlichen Verbreitung des Bergahorns ist schwer zu bestimmen, da sie inzwischen durch eine lange Kultur dieses ein wertvolles Nutzholz liefernden Forstbaumes verwischt wurde  (SCHUHMACHER, 1974). Im norddeutschen Flachland, aber auch in Dänemark und England ist der Bergahorn als Forst-, Park- und Straßenbaum gepflanzt und z. T. eingebürgert worden (KRÜSSMANN, 1979 u. a.). „ Als schattenertragende Art setzt er sich gegen lichtbedürftige Laubbäume durch. Seine Laubstreu behindert Blütenpflanzen“, (MITCHELL u. WILKINSON).  Wenn man etwas für Ahorne im Dortmunder Fredenbaumpark tun möchte, kann man im Einklang mit der potentiellen natürlichen Vegetation im Waldrandbereich Exemplare des Feldahorns (A. campestre) ansiedeln.

Wer sich wie die Dortmunder Politiker die Artendiversität aufs Panier geschrieben hat, sollte sich anstrengen, die u.a. durch den Klimawandel bedrohten Stieleichen zu retten statt sie abzuholzen und durch standortfremde Arten zu ersetzen. Auf den Stiel- und Traubeneichen leben so viele Insektenarten wie auf kaum einem anderem deutschen Baum (vgl. BRAUNS, 1976).

Den Schutz von Altholzbeständen mögen zwei Urteile des Bundesgerichtshofes (BGH) stützen: Das Urteil vom 02.10.2012 stellt klar, dass das Betreten des Waldes auf eigene Gefahr geschieht und der Waldbesitzer nicht für waldtypische Gefahren haften muss (Az.: VI ZR 311/11). Nach dem BGH-Urteil vom 06.03.2014 (Az.: III ZR 352/13) haften Städte und Gemeinden auch nicht mehr für Schäden durch herabfallende Äste gesunder Weichholz-Straßenbäume (z. B. Pappeln): Sie stellen ein allgemeines Lebensrisiko dar, für das kein anderer verantwortlich ist.

Literatur

Arbeitskreis Forstliche Landespflege in der AG Forsteinrichtung (1984): Biotoppflege im Wald

BLAB, J. (19849): Grundlagen des Biotopschutzes für Tiere

BLANA, H. (1985): Bioökologischer Grundlagen- und Bewertungskatalog für die Stadt Dortmund, Teil 3 (Do-Mitte): A. 18 „Fredenbaumpark…“, S. 233-239

BRAUNS, A. (1976): Taschenbuch der Waldinsekten, Bd. 2: Eiche, S. 457-459

HECKER, U. (1985): Laubgehölze. Wildwachsende Bäume, Sträucher und Zwerggehölze

HOFMEISTER, H. (1983): Lebensraum Wald (2. rev. Aufl.)

KRETZSCHMAR, E. u. R. NEUGEBAUER (2003): Dortmunder Brutvogelatlas

KRÜSSMANN, G. (1979): Die Bäume Europas (2. erw. Aufl.)

MITCHELL, A. u. J. WILKINSON (1982): Pareys Buch der Bäume

MUNLV NRW (2000): Landschaftsgesetz (LG) NRW

RUNGE, F. (1986): Die Pflanzengesellschaften Mitteleuropas (8./9. Aufl.)

SCHUHMACHER, E. (1974): Wunderwelt der Bäume. Laub- und Nadelbäume Europas im Jahreslauf