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Jahresbericht 2020 der Vogelpflegestation

flegestation für Greifvögel / Eulen und Graureiher

In diesem schwierigen Jahr sind die erforderlichen Arbeiten in der Vogelpflegestation hauptsächlich von 6 Kolleg*Innen geleistet worden. 2 weitere Kollegen, die uns helfen, wechseln sich wochenweise ab, weil sich in der Station Corona-bedingt nicht zu viele Personen gleichzeitig aufhalten sollen. Als Urlaubsvertretung stehen uns 3 weitere Personen zur Seite, die im Moment beruflich sehr eingebunden sind.

Im Jahr 2020 haben wir in der Station 83 verletzte bzw. kranke Vögel aufgenommen. Es waren insgesamt:

  • 50 Greifvögel: 25 Turmfalken, 21 Mäusebussarde, 2 Sperber, 2 Habichte

  • 22 Eulen: 10 Waldkäuze, 4 Waldohreulen, 3 Steinkäuze, 3 Uhus und 2 Schleiereulen,

  • 8 Graureiher

  • 1 Sakerfalke

  • 1 Waldschnepfe

  • 1 Wasserralle

    Der größte Teil der aufgenommenen Vögel, 43 Tiere, hatten Anflugverletzungen, in vielen Fällen mussten diese Tiere direkt vom Tierarzt eingeschläfert werden. Die Auswilderungsquote lag bei nur 36 %.

    Etliche Vögel (mehr als wir in unserer ‚Intensivstation‘ daheim unterbringen können) mussten täglich in der Station mit Medikamenten versorgt werden, es waren auch Tag für Tag Grundreinigungsarbeiten in eben diesen Volieren notwendig, um weiteren Infektionen vorzubeugen.

    Die beiden letzten in der Station verbliebenen Vögel: ein Mäusebussard und der Steinkauz, mit einer amputierten Kralle, konnten beide Anfang Januar jeweils am Fundort ausgewildert werden.

    Besonderheiten 2020:
    Einige besondere Fälle möchten wir hervorheben:

  • Vor dem Hintergrund, dass die Vögel, die in unsere Auffangstation kommen, nicht gesund sind sondern verletzt, abgemagert, infektiös etc., stellte der Zustand eines Uhus doch eine Besonderheit dar:

    von der rechten Körperseite aus betrachtet, schien dieser Uhu unverletzt, hatte einen wachen Augenausdruck, war nicht zusammengekauert oder ähnlich, er sah normal aus.
    Sein Problem wurde auf seiner linken Körperhälfte sichtbar. Sein linker Flügel war halb abgerissen und hing blutig herunter, Knochenteile waren offen sichtbar, Federn waren blutverklebt. Er ist mit einem fahrenden Auto kollidiert.

    Der Anblick war ernüchternd. Vor allem für Kolleg*Innen, die noch nicht so lange bei uns in der Station mitarbeiten. Man darf wirklich nicht zimperlich sein, um bei uns mit zu helfen. (Wer mutig ist, darf sich gerne das Foto ansehen). Selbstverständlich wurde er sofort eingeschläfert. Sein wacher, interessierter Zustand war eine Auswirkung der hohen Adrenalinausschüttung.

  • Im April habe ich ‚Milbe‘ zu uns in die Station geholt. Ein Turmfalke dessen Gefieder auf der linken Seite nahezu völlig von Milben zerfressen war. Nach Medikamentengabe und viel Zeit konnte ‚Milbe‘ als gut aussehender Terzel im November mit anderen Falken entlassen werden.

  • Eines der eingereichten Fotos zeigt einen Mäusebussard, der eine weisse Wand anstarrt. Dieser und ein weiterer Bussard waren blind, sie hatten beidseits ein angeborenes Katarakt.

  • Der Umbau der Voliere 6 für die Anbindehaltung, was schon vor einigen Jahren geplant war, wurde aus der Not kurzfristig ausgeführt. Grund dafür war eine Habichtdame, die auf dem Hockeygelände des TSC Eintracht verunglückt ist. Da Habichte, Sperber und Wanderfalken rasante Jäger sind, können sie nicht einfach wie andere Greife in Volieren gehalten werden. Damit die Vögel keine

Möglichkeit bekommen, in der Voliere eine hohe Fluggeschwindigkeit zu erreichen und sich an den Begrenzungen des Raumes zu verletzen, werden sie von Falknern mit Geschüh an den Fängen an sog. Recks gebunden. Herr Teichert, der uns bei diesen Arbeiten unterstützt, hat gern diese Aufgabe und die weitere fachmännische Versorgung der Habichtdame bis zur Freilassung übernommen. Dafür sind wir ihm sehr dankbar.

  • Für einen verletzten Mäusebussard im Januar 2020 hat die Autobahnpolizei Kamen für uns kurzerhand die BAB A1 bei KM 306,5 komplett gesperrt, weil in Fahrtrichtung Bremen dicht an der Leitplanke zur Gegenspur der Vogel eingefangen werden musste. Leider wurde der Bussard später auf Grund seiner schweren Verletzungen eingeschläfert.

  • Im Mai 2020 hatten wir einen sehr beeindruckenden Einsatz zusammen mit der Feuerwehr Dortmund. Ein Anwohner aus Dortmund-Sölde meldete einen Bussard, der in die Dachrinne eines mehrstöckigen Hauses gestürzt war. Die Feuerwehr war gerne bereit, uns bei dieser Aktion mit einer Drehleiter zu unterstützen. So konnten sie ohne Anspannung das Handling beim Einsatz ihrer Gerätschaften verfeinern, ich konnte den wunderschönen Ausblick über Sölde genießen und der Vogel wurde gerettet. Zwei Tage später konnten wir den Mäusebussard freilassen.

  • Anfang Dezember 2020 erhielten wir eine Meldung über einen Greifvogel, der sich streicheln und, ohne Handschuhe zu tragen, aufnehmen liess. Es war ein sehr abgemagerter Sakerfalke mit einem Zuchtring am Fang. Über Herrn Teicherts Mithilfe wurde der Besitzer des Vogels ausfindig gemacht. Dieser Sakerfalke ist ein reiner Zuchtvogel, der nicht falknerisch geflogen wurde und so nur das Leben in seiner Voliere kennt. Aus diesem Grund ist er in der Statisitik als ‚sonstiger Vogel‘ geführt. Unter widrigen Umständen konnte er dem Züchter entkommen, sich aber in ‚Freiheit‘ nicht selbst ernähren, so hat er dann nach fast einer Woche und ca. 50 km die Zuflucht vor einer Haustür gefunden. In dieser Zeit nahm er rund ein Viertel seines Körpergewichtes ab.

    Die Rubrik Pflegegründe haben wir um einen sehr wichtigen Punkt erweitert: Fehlverhalten durch Menschen. 3 Graureiher wurden aufgenommen, weil sie sich zum Teil schwere Verletzungen in privaten Gärten zugezogen haben, der dortige Gartenteich wurde mit Angelschnüren o.ä. überspannt. Auch wenn es wieder einmal in der Tageszeitung (RN am 30.04.2020) als eine Lösung gegen ‚Fischdiebstahl‘ genannt wird, muss man ganz klar sagen, dass eine dichte Bepflanzung des Teiches oder sehr steil angelegte Uferbereiche sicherlich ein wesentlich besserer Schutz für die Fische ist.
    Ein weiterer Graureiher hatte nicht nur einen Teil einer Angelschnur mit einem Haken um den Hals gewickelt, das Röntgenbild zeigte zu dem noch einen weiteren Angelhaken mit Bleigewicht im Darm des Vogels. Der Reiher ist in der Station der Tierklinik Recklinghausen verblieben. Wir gehen davon aus, dass er eingeschläfert werden musste.

    Ein weiterer sehr schwer wiegender Fall ereignete sich im Mai: in einer nahen Stadt sind zwei junge Waldkauz – Ästlinge von Anwohnern derart bedrängt und belästigt worden, dass uns andere Bewohner gebeten haben, hier einzuschreiten und die Aufzucht der beiden Vögel zu übernehmen.

    Hier greift in allen Fällen auch das BNatSchG. Dass muss einfach mehr publik gemacht werden.

    Wir danken allen Mitarbeitern der Station für ihre permanente und durchgehend hervorragende Arbeit und wünschen allen ein schönes, geruhsames Weihnachtsfest und alles Gute, vor allem Gesundheit für 2021.

    Und wir freuen uns, wenn alle Beteiligten im kommenden Jahr weiterhin aktiv mithelfen.

Gudrun Hartisch und Ingo Lukschütz

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