Insekten in der Stadt – Was lebt bei uns im NABU-Ruhrgebietsgarten

Insekten in der Stadt – Was lebt bei uns im NABU-Ruhrgebietsgarten

Auch in diesem Jahr gab es zum ersten Juli-Wochenende, am Samstag den 04.07.2026, eine intensive Zählung der Schmetterlinge und Insekten im NABU-Ruhrgebietsgarten.

Während Klaus-Dieter Lemm von 11 – 13 Uhr eine Gartenführung zum Thema Insektenförderung in der Stadt mit regem Besucherinteresse durchführte, wurden von Brigitte Bornmann-Lemm gleichzeitig die Schmetterlinge und andere Insektenarten im Garten gesichtet und notiert. Die Faltersichtungen wurden anschließend wieder an den NABU-NRW für die „Zeit der Schmetterlinge“ gemeldet. 
Allerdings war es aufgrund der starken, zum Teil bis orkanartigen Windböen bei 27°-30° Celsius und bedecktem Wetter sehr schwierig, Fotodokumentationen zur Nachbestimmung der kleineren Insektenarten zu machen. Damit ergab sich letztendlich keine so vollständige Zählung wie im letzten Jahr, als das Wetter weitaus insekten- und fotofreundlicher war. Es zeigte sich auch, dass an diesem windigen Tag weitaus weniger Libellen und Schmetterlinge zu sehen waren, als in den letzten Wochen, wenn es bei ähnlichen Temperaturen wesentlich windstiller war.

Wie bereits im vergangenen Jahr, waren auch in diesem Jahr die beiden insektenfreundlichen Biotopstrukturen mit ihren Wildpflanzen und alteingesessenen Kulturstauden wieder stark angeflogen von Hummeln und Co. In diesem Jahr sind der Schwebfliegenanteil und die Zahl der Marienkäfer-Engerlinge interessanterweise wesentlich geringer als im vergangenen Jahr. Allerdings fressen die Larven vieler Schwebfliegenarten ebenso wie die Engerlinge Blattläuse. Und in diesem Jahr gab es sowohl in diesem, als auch in anderen Gärten aufgrund des warmen sonnigen Frühjahrs weitaus weniger davon. So zeigt sich, wie stark die Abhängigkeiten der Insektenarten auch voneinander sind.

Mindestens drei der in den letzten Wochen gesehenen solitären Wildbienenarten ließen sich im „Insektenhügel“ beim Ein- und Ausflug in ihre selbstgegrabenen unterirdischen Niströhren beobachten. Und auch die diesjährig montierten oberirdischen Wildbienen-Nisthilfen wurden im Frühjahr sofort von der Gehörnten und der Roten Mauerbiene angenommen. Es kann also vorsichtig gehofft werden, dass langsam der Beginn von garteneigenen Wildbienen-Populationen beginnt. Es sollte auf jeden Fall in den kommenden Jahren weiter beobachtet und dokumentiert werden.

Die neue Feucht-Biotopstruktur mit einem Gartenteich und einer umliegenden Sumpf- und Überlaufzone hat sich sofort nach der Bepflanzung mit standorttypischen Stauden und der Auffüllung mit Regenwasser im April dieses Jahres zu einem echten Hotspot für mehr oder minder wassergebundene, bzw. Wasser benötigende Insektenarten entwickelt. In den letzten Wochen ließen sich mindestens vier Libellenarten bei der Ei-Ablage beobachten. Ebenso kamen die ersten Wasserläufer. Und einige Zeit später ließen sich auch die Nymphen dieser wassergebunden Wanzenart auf dem Teich beobachten.

Interessant ist es auch, nicht wassergebundene Insekten in den Sumpfzonen des Teichs zu beobachten. Honigbienen holen im verstärktem Maße Wasser aus dem Teich zur Kühlung ihrer Magazine. Ebenso sind Feldwespen zu beobachten, die im Garten sowohl Wasser als auch Holz zum Nestbau abtransportieren. Auch bei der Jagd nach Kleininsekten wie Blattläusen u.a. zur Fütterung ihrer Brut sind sie regelmäßig zu beobachten.

Ein Highlight der Schmetterlingssichtungen war seit Mai an vielen Tagen der Distelfalter. Dieser Wanderfalter ist diesjährig auch wieder in anderen Gärten zu sehen.

Die Ergebnisse der Insektenzählung 04.07.2026

In diesem Jahr blühen auch die zweijährigen Wilden Möhren im NABU-Ruhrgebietsgarten. Diese Pflanze erweist sich, wie viele andere Doldenblütler auch, als echter Hotspot für Insektensichtungen. Raupenfliegen, Tönnchen-Wegwespen, Totenkopf-Schwebfliegen, diverse Raupenfliegen und in diesem Jahr sogar die zu den Wollschwebern gehörende Hottentotten-Fliege. Ebenso waren Stachel- und Zipfelkäfer dort zu sehen. 
Der in diesem Jahr an mehreren Standorten im Garten blühende Natternkopf lockte an guten Tagen neben den Honigbienen und Hummeln teilweise auch mehr als zehn bis zwölf Weibchen der Natternkopf-Mauerbiene an. Auch sie waren im letzten Jahr an einem kleinen Natternkopf schon zu sehen. Währenddessen bevorzugen die seit zwei Jahren im Garten zu beobachtenden Gelbbindigen Furchenbienen die Witwenblumen und den Wiesen-Pippau. Und die Hummeln sind aktuell an den diversen Lippenblütlern ebenso zu sehen wie an die Wiesenflockenblumen und der Wilden Karde.

Hinweis:
Bei den Ergebnissen gilt zu bedenken, dass immer nur die höchste gleichzeitig sichtbare Anzahl einer Art notiert wurde. Und von keinem Standort im Garten sind, anders als bei den Vögeln, alle Insektenarten gleichzeitig zu sehen. Die Angaben sind also als Mindestzahlen zu betrachten.

  • > 70 Honigbienen Blüten/Teich
  • 1 W Gelbbindige Furchenbiene Halictus scabiosae
  • > 3 W Natternkopf-Mauerbiene Hoplitis adunca
  • 1 Blutbiene Sphecodes spec. 
  • 1 Gewöhnliche Binden-Sandbiene Andrena flavipes / Pippau
  • 1 Mörtelbiene Megachile spec.
  • 1 M + 1 W Steinhummel Bombus lapidarius
  • > 3 Ackerhummeln Bombus pascuorum
  • > 2 Erdhummeln Bombus terrestris agg.
  • 1 Schlupfwespe Campopleginae indet.
  • 2 Goldwespe Hedychrum sp.
  • 2 Tönnchen-Wegwespe Auplopus carbonarius
  • 1 Lehmwespe Ancistrocerus sp.
  • 2 Orientalische Mauerlehmwespe Sceliphron curvatum
  • 1 Feldwespe Polistes dominula
  • 1 Florfliege Chrysoperla carnea s.l.
  • 1 Mittlere Keilfleckschwebfliege Eristalis nemorum
  • 1 Mistbiene Eristalis tenax
  • 1 Narzissen-Schwebfliege Merodon equestris
  • 1 Totenkopf-Schwebfliege Myathropa florea
  • 1 Goldgrüne Waffenfliege Chloromyia formosa
  • 1 Wollschweber / Hottentottenfliege / Goldene Hummelfliege Villa hottentotta
  • 1 Asselfliege Rhinophora lepida
  • 1 Igelfliege Artenkomplex Tachina fera/magnicornis
  • 1 W Breitflügelige Raupenfliege Ectophasia crassipennis
  • 1 Wanzenfliege Gymnosoma spec. 
  • > 1 Breitstirn-Blasenkopffliege Sicus ferrugineus
  • > 3 Goldfliegen Lucilia spec.
  • 1 M + 2 W Grüner Scheinbockkäfer Oedemera nobilis
  • 1 Zweifleckiger Zipfelkäfer Malachius bipustulatus
  • 1 Stachelkäfer unbest. Mordellidae indet.
  • 1 Gebänderter Stachelkäfer Variimorda villosa
  • 2 Siebenpunkt-Marienkäfer Coccinella septempunctata
  • 3 Trauerrosenkäfer Oxythyrea funesta
  • > 10 Nym + ad. Feuerwanze Pyrrhocoris apterus
  • 1 Zimtwanze Corizus hyoscyami
  • 2 Kleiner Kohlweißling Pieris rapae
  • 1 Karst-Weißling Pieris mannii
  • 1 Distelfalter Vanessa cardui
  • 1 Hufeisen-Azurjungfer
  • 1 Königslibelle