Wildecke mit Altholzstapel
So „wild" müssen diese Ecken ja gar nicht aussehen. Wichtig ist jedoch, an diesen Standorten nach Möglichkeit nur sehr selten gartenpflegende Arbeiten durchzuführen, um die dort lebenden Insekten und Spinnentiere nicht zu stören.
Bereits während des ersten Brainstormings zur Gestaltung des NABU-Ruhrgebietsgartens kam der Gedanke zur Anlage einer sogenannten Benjes- bzw. Totholzhecke auf. An geeigneten, wenig genutzten Stellen im Garten oder auf großen Ackerflächen können damit je nach Größe Windfänge etabliert und Nistplätze für Vögel, Insekten und Kleintiere geschaffen werden. Dafür wird Totholz locker zwischen senkrechten Holz- oder Stahlstangen aufgeschichtet. Genutzt werden hierfür die Äste und Zweige, die beim herbstlichen Gehölzschnitt im Garten anfallen. Wird noch etwas Laub dazwischen geschichtet, bietet sich die Hecke für Winterschlafplätze von Igeln, Käfern und Insekten an. Über Sommer haben kleine, niedrig brütende Vögel und Kleinsäuger die Gelegenheit, Nistplätze zu bauen und Nahrung zu finden.
Im hinteren Gartenteil, kurz vor dem Kompostplatz, sollte auch eine „Wilde Ecke" entstehen. Und so machte es ja Sinn, beide Projekte miteinander zu verbinden. Ein Totholzstapel im Hintergrund als Windfang und Sichtschutz, davor eine zweistufige Staudenfläche mit Natternkopf, Schafgarbe, Rainfarn, Gilbweiderich, Pippau, Seifenkraut, Johanniskraut, Gundermann u. v. a. Rechterhand zum Nachbargarten abgegrenzt durch eine Himbeerhecke. Im vorderen Bereich ein Apfelbaum für die kleingärtnerische Nutzung.
Für diese Biotopstruktur wurden ausschließlich im Garten vorhandene Materialien genutzt. Bereits im November 2024, als die ersten Arbeiten im Ruhrgebietsgarten begannen, wurde bei der Entnahme der ökologisch wenig wertvollen Sträucher und Kleingehölze darauf geachtet, das anfallende Schnittgut sortiert zu sammeln. Im April–Mai 2025 erfolgte dann die Umsetzung der Maßnahme. Als erstes wurden sechs dickere Äste als senkrechte Pfosten ca. 30 cm tief in den Boden gesetzt. Als untere Schicht wurden umgedrehte, abgetrocknete Wurzelballen gelegt. Danach erfolgte die Schichtung mit querliegenden Ästen und Zweigen, auch einige dicke Rosenzweige. Immer mal wieder wurden die Äste etwas nachgedrückt, aber nicht zu stark. Zaunkönige, Meisen und Rotkehlchen sollen dort ja später ihr Futter suchen können. Die stacheligen Rosenzweige stören sie dabei nicht, sondern behindern nur ihre Fressfeinde. Totholz in seinen verschiedenen Abbauphasen ist ein absolut vielfältiger Lebensraum für Flechten, Moose, Pilze, Käfer und viele andere Arthropoden. Rund 1.400 der in Mitteleuropa vorkommenden Käferarten sind in ihrer Lebensweise eng an Totholz gebunden.
Vor dem Altholzstapel wurde ein höhergelegenes Backstein-Holz-Trockenmauer-Beet für insektenfreundliche Blütenpflanzen angelegt. Verwendet wurde hierfür ausschließlich schadstofffreies Altmaterial aus dem Garten selbst und einige dicke Äste, die in Nachbargärten nach den Herbst- und Frühjahrsschnitten angefallen waren. Zielsetzung war die Schaffung einer etwa 30–50 cm höheren Beetstruktur, die mit Backsteinen und Hölzern eingefasst wurde und in der die Rasensoden und Erde aus dem Häckselwegbau untergebracht werden konnten. Auch hier wurde ein Mörteleimer gesetzt, um als Miniteich das Mikroklima innerhalb der Fläche zu verbessern. Er erhielt eine innere kleine Steintreppe, und ein Ast wurde als Ausstiegshilfe für Tiere eingesetzt.
Danach erfolgte die standortgerechte Bepflanzung der Fläche mit Stauden der hier üblichen nährstoffreichen Böden. Obwohl diese „Wilden Ecken" weitestgehend ungestört wachsen sollten, ist dennoch eine regelmäßige Pflege zwei- bis dreimal jährlich notwendig, damit sich die unterschiedlichen Pflanzen alle gut entwickeln können und keine Art überhandnimmt.